Ich mag den Sommer. Wirklich. Diese langen Abende im Garten, die Kinder barfuß auf der Wiese, das Eis, das schneller schmilzt, als man gucken kann. Und trotzdem sehe ich als Vater und in unseren Kursen jedes Jahr dieselben Situationen, die vielen Eltern vorher gar nicht so bewusst waren.
So schön die warme Jahreszeit ist, für kleine Kinder steckt sie voller Fallen, die man leicht übersieht. Deshalb möchte ich heute über drei Dinge sprechen, die im Sommer immer wieder Thema sind. Den Sonnenstich, den Hitzschlag und Insektenstiche. Nicht, um Ihnen die Freude zu verderben. Ganz im Gegenteil. Wer weiß, worauf er achten muss, kann den Tag am Wasser oder im Garten viel entspannter genießen.
Warum Kinder bei Hitze schneller an ihre Grenzen kommen
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das merkt man gerade bei Wärme. Ihr Körper heizt sich im Verhältnis zum Gewicht schneller auf, sie schwitzen weniger wirkungsvoll, und ihre Temperaturregelung ist einfach noch nicht so weit wie bei uns. Dazu kommt das Offensichtliche. Ein Kind, das gerade in sein Spiel vertieft ist, merkt schlicht nicht, dass es zu heiß, zu lange in der Sonne oder längst durstig ist. Es kommt nicht zu Ihnen und sagt, dass es gleich überhitzt.
Der Sonnenstich
Ein Sonnenstich entsteht, wenn Kopf und Nacken zu lange ungeschützt in der prallen Sonne waren. Die Wärme reizt die Hirnhäute. Das Fiese daran ist, dass die Beschwerden oft erst Stunden später kommen, manchmal erst abends nach einem schönen Tag draußen.
Woran erkennen Sie ihn? Der Kopf ist heiß und hochrot, während der restliche Körper sich ganz normal anfühlt. Dazu kommen Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Unruhe und häufig Übelkeit.
Wenn das passiert, bringen Sie Ihr Kind sofort in den Schatten und an einen kühlen Ort. Lagern Sie den Oberkörper und den Kopf etwas erhöht und kühlen Sie Kopf und Nacken mit feuchten, kühlen Tüchern. Eiskalt muss es nicht sein. Solange Ihr Kind wach und ansprechbar ist, geben Sie ihm in kleinen Schlucken etwas zu trinken. Und bleiben Sie dabei. Wird es zunehmend benommen, muss es sich immer wieder übergeben, krampft es oder reagiert es nicht mehr richtig, dann wählen Sie den Notruf 112.
Der Hitzschlag

Der Hitzschlag ist die deutlich gefährlichere Sache und ein echter Notfall. Hier überhitzt der ganze Körper, weil er die Wärme nicht mehr loswird. Die Körpertemperatur steigt über 40 Grad und der Kreislauf droht zusammenzubrechen.
Achten Sie auf heiße, oft trockene Haut, einen hochroten Kopf, einen schnellen Puls, Verwirrtheit oder Teilnahmslosigkeit, Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit. Wenn Sie so etwas sehen, zählt jede Minute. Rufen Sie zuerst den Notruf 112. Bringen Sie Ihr Kind aus der Hitze, ziehen Sie ihm überflüssige Kleidung aus und kühlen Sie den Körper aktiv mit feuchten Tüchern und Luft. Fangen Sie an Nacken, Achseln und Leisten an. Ist Ihr Kind bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage und behalten Sie die Atmung im Blick.
Wenn Insekten stechen

Die meisten Stiche sind zwar unangenehm, aber harmlos. Bei einem Bienenstich sollten Sie den Stachel wegschaben statt ihn mit den Fingern herauszudrücken, weil man sonst noch mehr Gift in die Haut presst. Danach hilft Kühlen gegen Schmerz und Schwellung.
Zwei Situationen sind allerdings anders, und die sollten Sie unbedingt kennen. Die erste ist der Stich im Mund oder im Rachen. Das passiert schneller, als man denkt. In unseren Kursen erzähle ich gern das Beispiel mit der offenen Getränkedose, auf der eine Wespe sitzt und die das Kind im Sommer schnell mal übersieht. Schwillt dann die Schleimhaut an, können die Atemwege eng werden. Rufen Sie sofort die 112, geben Sie Ihrem Kind wenn möglich etwas Kaltes zum Lutschen wie ein Eis am Stiel und kühlen Sie den Hals von außen mit einem feuchten Tuch.
Die zweite Situation ist die allergische Reaktion. Wenn die Schwellung weit über die Einstichstelle hinausgeht, wenn Quaddeln am ganzen Körper auftreten, wenn Ihr Kind schlecht Luft bekommt oder ihm schwindelig wird, dann kann daraus ein allergischer Schock werden. Auch hier gilt, wählen Sie die 112, beruhigen Sie Ihr Kind und beobachten Sie es. Ist eine Insektengiftallergie bekannt und ein Notfallset vorhanden, kommt dieses jetzt zum Einsatz.
Vorbeugen ist einfacher, als man denkt

Das Schöne ist, dass die meisten dieser Situationen mit ein paar Gewohnheiten gar nicht erst entstehen:
- Ein Hut oder eine Mütze gehört auf jeden kleinen Kopf, sobald die Sonne kräftig wird, bei Babys sowieso.
- Die pralle Mittagssonne zwischen elf und fünfzehn Uhr meiden, Schatten ist in dieser Zeit der beste Spielplatz.
- Regelmäßig trinken, auch wenn gerade niemand Durst anmeldet, dazu leichte Kleidung und eine Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor.
- Getränke draußen abdecken und mit einem Strohhalm trinken, damit sich keine Wespe hineinsetzt.
- Nach dem Toben im Gras kurz die Haut anschauen, auf Stiche und auf Zecken.
- Bei bekannter Allergie das Notfallset immer griffbereit halten und die Betreuungspersonen einweihen.
Wann Sie nicht zögern sollten
Im Zweifel rufen Sie lieber einmal zu viel an als einmal zu wenig. Wählen Sie den Notruf 112, wenn Ihr Kind
- zunehmend benommen wird, sich immer wieder übergibt oder krampft,
- schlecht Luft bekommt oder eine Schwellung sich schnell ausbreitet,
- nach einem Stich im Mund oder Rachen betroffen ist.
Zum Schluss
Am Ende ist Ihr Wissen der beste Schutz für Ihr Kind. Wer die Anzeichen kennt und die Handgriffe einmal selbst geübt hat, gerät im Ernstfall nicht in Panik, sondern handelt ruhig und richtig.
Lehrgangstipp: Erste Hilfe am Kind
Sie möchten diese Handgriffe nicht nur lesen, sondern einmal in Ruhe üben? An Puppen, mit Zeit für Ihre Fragen und speziell auf Säuglinge und Kinder zugeschnitten. Unser nächster Kurs findet im November in Siek bei Hamburg statt.
Bleiben Sie gesund und genießen Sie die Sonne, am besten mit Hut und ein bisschen Schatten.
Euer Benny